Sauna-Leidenschaft im Land des WM-Gastgebers

von Olga Bogdanowski
Veröffentlicht am 19.Juni 2018 / Wellness

Birkenzweige und ein Filz-Hut – Must-Haves für die russische Sauna

Der Ball rollt wieder, die 21. Fußballweltmeisterschaft ist voll im Gange und rund um den Globus fiebern Millionen Fans mit ihren Mannschaften. Überraschenderweise startete die deutsche Nationalelf mit einer Niederlage ins Turnier. Sei’s drum – entschieden ist noch nichts und der Traum von der Titelverteidigung lange nicht ausgeträumt.

Auch wenn ich es gern täte – über Fußball werde ich heute nicht weiterphilosophieren. Vielmehr möchte ich die WM zum Anlass nehmen, um mich – als gebürtige Russin – dem Gastgeberland zu widmen. Besser gesagt: einer alten russischen Badetradition.

Heiß und feucht – saunieren auf Russisch

Und so landen wir bei der Banja. Banja – was für manch einen wie ein ostfriesischer Mädchenname klingt – ist in Wahrheit die russische Sauna. Wer sich für Sprachgeschichte interessiert, wird hier die morphologische Verwandtschaft zum französischen Wort „bain“ erkennen. Wie auch immer – in jedem Fall blickt das russische Badehaus auf eine jahrtausendalte Tradition zurück, bei der sich auch ihre charakteristischen Eigenschaften herausgebildet haben.

So geht es – im Vergleich zu anderen Saunen – in der Banja besonders heiß zu. Nicht selten steigt die Temperatur auf über 100°C. Zudem sorgt die Vielzahl an Aufgüssen für eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit. Banja-Anfänger sollten daher spätestens nach fünf Minuten eine Pause anlegen und sich im Ruheraum erholen. Und wer seinen Kreislauf nicht komplett überstrapazieren möchte, verzichtet auch auf Wodka.  

Nackt, aber nie "oben ohne"

Ähnlich wie in Deutschland wird in Russland das Saunieren unbekleidet praktiziert. Eine Ausnahme gibt es aber: um den Kopf vor übermäßiger Hitze zu schützen, tragen die meisten Banja-Besucher einen speziellen Banja-Hut aus Filz oder Wolle. Mit Hut in die Sauna? Ich muss zugeben, ein wenig gewöhnungsbedürftig ist das schon.

Doch noch verrückter erscheint Außenstehenden eine andere Banja-Tradition: Denn zu einem richtigen Banja-Besuch gehört es, seinen Körper mit aufgeweichten Birkenzweigen abzuschlagen. Was im ersten Moment nach fiesen Schmerzen oder der russischen Variante von „50 Shades of Grey“ klingt, ist tatsächlich ganz harmlos. Die Blätter der Birkenzweige mildern die Schläge ab, regen die Durchblutung an und versprühen ein angenehmes Aroma.

Neugierig geworden? Mittlerweile bieten auch in Deutschland viele Wellness-Landschaften die Möglichkeit des russischen Saunierens an. Und das ist mit Sicherheit nicht weniger schweißtreibend als so manches Fußballspiel.

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